Im Zuge der Industrialisierung sanken die wirtschaftliche Attraktivität des Obstanbaus und damit auch die Kenntnis um alte Sorten. Viele Birnen- und Apfelsorten verschwanden und mit ihnen das Wissen um ihre Vorzüge, ihre Verwendung und ihre Bedeutung.

Die große Sortenvielfalt hat ein riesiges Reservoir an vielseitigen Erbanlagen wie z. B. Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten, hervorgebracht, die es bei den heute marktgängigen Standartsorten des Intensivanbaus so nicht mehr gibt. Unsere Vorfahren haben hier Großartiges geleistet, denn sie haben durch gezielte Auswahl nach Standortbedingungen und nach Verwendungszwecken die Vielfalt an alten Kultursorten selektiert und erhalten.

Die Erhaltung genetischer Ressourcen ist seit der Umweltkonferenz von Rio 1992 als weltweit wichtiges Ziel auch von Deutschland anerkannt, aber bisher kaum umgesetzt worden.

Alte Sorten sind damit ebenso wie alte Häuser, Burgen und Schlösser ein bedeutendes Kulturgut, das eine Kulturnation erhalten sollte.

Die Zeit drängt jedoch, denn viel Wissen ist bereits unwiederbringlich verloren gegangen. Auch alte Obstbäume leben nicht ewig und jedes Jahr verschwinden Altbäume auch aus unserer Landschaft.

Alte Bäume ragen aus früheren Zeiten noch kräftig in unsere Tage herein und beschämen oft durch Gesundheit, Fruchtbarkeit und Güte der Sorten den Nachwuchs neuerer Zucht; sie liefern den Beweis, dass Mittelfranken reich ist an guten Obst-Sorten, und sucht man diese da auf, wo sie vermöge der ihnen zusagenden klimatischen und Bodenverhältnisse die alljährlich fruchtbarsten sind, so werden die besten leicht und sicher gefunden.

(Über die Obstausstellung Ansbach 1860 im Ansbacher Morgenblatt Nr. 251.)